Der Weg zum Schulbuch 2.0

Den Leitmedienwechsel in die Schulen bringen

Das alte Schulbuch ist ein Auslaufmodell, das neue muss jetzt gestaltet werden

So langsam scheint sich im Bereich der Bücher das E-Book auch in Deutschland seinen Platz zu ergattern. In der Schule bleibt aber alles nach wie vor beim Alten. So gaaanz allmählich wird die Nutzung des Computers (Textverarbeitung, Internetrecherche) zur schulischen Normalität. Dabei ist es Zeit, das bisherige Leitmedium der Schule, also das Schulbuch zur Disposition zu stellen. Computer – wenn sie in 1:1-Ausstattung und in SchülerInnenhand sind – können mit den richtigen Inhalten ausgestattet in den meisten Fällen nicht nur eine gleichwertige, sondern eine bessere Alternative sein. Ich hatte schon in einem anderen Post einige Gedanken dazu geäußert, wie man „OER professionalisieren“ kann (https://stubbesaerbeck.wordpress.com/2012/04/19/oer-professionalisieren/). Damals habe ich das Beispiel Polen genutzt, um für eine Stiftung für ein freies elektronisches Schulbuch zu werden. Diese Gedanken möchte ich hier noch einmal aufgreifen und konkretisieren.

Die Situation in der „Szene“

Hiermit meine ich einerseits die Schulen wie sie heute meist sind und die LehrerInnen in ihnen. Andererseits meine ich auch die Computeraffinen, die sich bemühen, die Grundlagen für mehr sinnvolle Nutzung der elektronischen Medien – insbesondere in Schulen – zu legen. Die technische und gesellschaftliche Entwicklung ist mittlerweile soweit, dass viele Menschen darauf warten, dass die Schulen die großen Möglichkeiten der elektronischen Medien endlich mehr nutzen. Notebookklassen sind keine wirklichen Exoten (wenn auch zahlenmäßig noch immer die deutliche Minderheit) mehr. 1:1-Ausrüstung (pro SchülerIn ein Computer), ob mit Tablet oder mit Netbook wird von ganz schön vielen schon als normal gesehen. Diese Leute wundern sich oft nur noch, warum die Schule diese Normalität noch nicht praktiziert. Gleichzeitig schleppen sich die SchülerInnen noch immer mit Büchern ab, nur um eine Aufgabe aus dem Mathebuch zu lösen oder um einen 10-Zeiler aus dem Deutschbuch zu lesen. 90% aller Schulbücher können problemlos durch E-Books oder noch besser durch interaktive elektronische Formen ersetzt werden. Wenn es hier auch noch freie Medien gäbe, wären diese auch noch kostenlos einsetzbar, so dass ein großer Geldbatzen frei würde. Die Finanzminister werden bei dieser Erkenntnis schon gierig blicken, so dass man deren Verlangen zurückweisen muss. Gleichzeitig verbietet das Urheberrecht jede Digitalisierung von Schulbuchinhalten, so dass es beispielsweise schon illegal ist, die Matheaufgabe abzufotografieren, um sie den SchülerInnen auf diesem Weg zur Verfügung zu stellen. Es sollte hier aber nicht um Sparvorschläge gehen, sondern nur darum, diese Mittel innerhalb der Medienwelt oder auch in anderen Bereichen besser einzusetzen.

Ich wünsche mir also in absehbarer Zeit die weitgehende Ablösung der Papier-Schulbücher durch elektronische Alternativen und in diesem Zuge eine selbstverständliche Ausstattung aller SchülerInnen mit Netbooks oder Tablets (möglichst gerade KEINE Ipads von dieser Krakenfirma mit dem angebissenen Obst!) und der Schulgebäude mit offenem WLAN in guter Qualität.

LehrerInnen und auch andere Interessierte schaffen immer schon ständig neues Lern- und Lehrmaterial. Kopiervorlagen für alle möglichen Lernsituationen zu gestalten, ist Alltag für alle LehrerInnen. Leider bleiben diese Produkte meist im privaten Ordner (früher von Leitz & Co., heute auf dem Computer). Manchmal findet ein Austausch in der eigenen Schule statt. Vor einigen Jahren sind Portale wie 4teachers.de entstanden, um den Austausch über Schulgrenzen hinweg zu ermöglichen. Gerade letzteres ist aber nicht mit der Entwicklung mitgegangen und mittlerweile aus meiner Sicht kaum noch attraktiv. Dazu trägt auch der fehlende Umgang mit dem Urheberrecht bei (s.u.). Andere wie zum.de sind da schon innovativer und besser auf dem Laufenden, können die Situation aber auch noch nicht zum Durchbruch bringen.

Zahlreiche Aktive veröffentlichen eigenes Material auf eigenen Seiten oder auf  anderen Servern. Insgesamt gibt es hier eine ziemlich undurchschaubare Szene von Servern und Geheimtip-Seiten, auf denen Einzeldokumente in verschiedenen Formaten zu finden sind. Das ist auch gut so und dringend notwendig, denn das ständige Ausprobieren von immer neuen Formen der Darstellung und Darbietung ist ein wichtiger Motor in dieser schnelllebigen Welt, die noch lange keine Stabilität gefunden hat.

Ein wichtiger Hemmschuh in dieser selbstorganisierenden Welt der OER (Open Educational Ressources) ist das Urheberrecht, vor allem in Deutschland. Wenn man einfach so seine Dokumente ins Netz stellt, darf das erstmal niemand ernsthaft nutzen. Es gilt das Standardverfahren, nach dem der Urheber immer um Erlaubnis für jegliche Weiternutzung gefragt werden muss, was im Internetbereich einem – wenn auch massenhaft missachteten – Verbot gleichkommt. Wenn man herunterlädt, ausdruckt und nur analog weiter verarbeitet, muss man aus pragmatischen Gründen mit keinen Problemen rechnen. Wer aber ein bestehendes Dokument weiterentwickelt und erneut hochlädt, muss schon auf die Freundlichkeit des Urhebers hoffen, denn dieser hätte das eigentlich erlauben müssen und kann nun mit Abmahnungen Abzocke betreiben. Das ist keine Spinnerei, denn die Abmahn-Abzocke greift immer weiter um sich und ernährt mittlerweile schon etliche Kanzleien. Genau dieses Problem hat man mit den Dokumenten von 4teachers.de. Um dieses Problem zu lösen, wurden die CC-Lizenzen entwickelt. Das soll hier nicht weiter vertieft werden, weil schon an anderer Stelle viel dazu geschrieben wurde.

Waiting for the great leap forward …

Ich denke, dass wir noch lange warten müssten, bis sich in dieser anarchisch organisierten Welt des Internet eine brauchbare Großstruktur von selbst bildet. Und genau die brauchen wir meiner Meinung nach jetzt bald, wenn die Schulen wirklich den großen Schritt gehen wollen. Also muss nachgeholfen werden! Wir brauchen eine handhabbare Möglichkeit, vom Papierbuch auf elektronische Alternativen umzusteigen. Und da man angesichts der notorisch unterfinanzierten Schulen nicht komplett erst die Computer und dann auch noch die (in Deutschland viel zu teuren) Lizenzen für E-Books der aktuellen Schulbuchmafia kaufen kann, brauchen wir preisgünstige – sprich kostenlose – elektronische Schulbücher. Und zwar vom Schulministerium für den vollwertigen Einsatz als Lehrwerk genehmigt und damit den bisherigen Schulbüchern rechtlich völlig gleichgestellt. Dass die Schulbuchmafia das nicht zulassen möchte ist klar, sie hat das aber hoffentlich nicht zu entscheiden. Eine Möglichkeit wären staatlich finanzierte Schulbuch-Flatrates. Angesichts der derzeitigen Finanzströme hin zu den Verlagen, müssten hier dreistellige Millionensummen fließen wenn es um die komplette Umstellung vom Papier auf E-Schulbücher und eine Kompensation des bisherigen Geschäftes geht.
Was aber auch nicht geht, ist eine staatlich gesteuerte Produktion eines Schulbuchs. Selbst wenn das legal wäre (wo ich mir nicht sicher bin, was ich aber bezweifele), würde das angesichts der Trägheit und Unflexibilität deutschen Schulbürokratie wohl nicht funktionieren. Der Mittelweg wäre eine Lösung, wie sie sich in der freien Szene im Computerbereich beispielsweise beim Betriebssystem Ubuntu oder bei Wikipedia bewährt hat: Eine Stiftung mit gemeinnützigen Zielen. Diese Stiftung könnte als Anschub mit staatlichen und auch mit privaten Geldern ausgestattet werden, dann aber durch rechtlich saubere Gestaltung vom Staat unabhängig arbeiten. Diese Stiftung wäre nur ihren Zielen unterworfen und könnte von äußeren Interessen weitgehend unabhängig agieren, sofern die Finanzierung gesichert wäre. Das Ziel wäre zunächst die Produktion eines genehmigten, professionellen elektronischen Schulbuchs für alle Fächer. Im zweiten (am besten zeitlich parallelen) Schritt müsste diese Stiftung die Infrastruktur schaffen, dass dieses Schulbuch durch freie Mitarbeit – ähnlich wie heute bei Wikipedia – weiterentwickelt und den Bedürfnissen der Benutzer angepasst werden kann. Dadurch entsteht ein lebendiges Produkt, aus dem nach und nach zwei, drei, viele verschiedene freie elektronische Schulbücher entstehen können.

Lizenz, Datenformat, Form

Die Publikationen der Stiftung, insbesondere das freie elektronische Schulbuch müssten in einer Lizenz erscheinen, die es anderen ermöglicht eigene Erweiterungen und Veränderungen vorzunehmen. Auch kommerzielle Weiterentwicklungen sollten willkommen sein, soweit die Ergebnisse nicht proprietär würden. Wer also das Material nutzt, muss seine Ergebnisse wiederum der Community zur Weiterentwicklung zur Verfügung stellen. Geld verdienen ließe sich dann mit so einem Projekt, wenn es einen Mehrwert für die Benutzer beispielsweise durch besonders benutzerfreundliches Hosting oder ein eigenes Baukastensystem verschiedener Teile und Versionen des freien Schulbuchs anbietet. Das würde insgesamt dem Projekt helfen und neue Inhalte produzieren helfen, die wiederum von der Community weitergenutzt werden können. Aus meiner Sicht ist also die CC-BY-SA-Lizenz genau die richtige für ein solches Projekt. Diese Lizenz ist mittlerweile ein wichtiger Standard in der „open“-Szene, die auch juristisch schon viele Prüfungen bestanden hat.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Datenformat. Bei klassischen Arbeitsblättern muss lediglich ein Textverarbeitungssystem gewählt werden. Man muss sich also nur zwischen der weitverbreiteten MS-Word- und der weniger weit verbreiteten, dafür aber offenen odt-Version entscheiden. Dieses Problem ließe sich durch einen Server lösen, der automatisch in das Wunschformat konvertiert. Im Bereich interaktiver E-Books gibt es meines Wissens nach noch keine offenen (oder durchgesetzten proprietären) Standards. Apple scheint mit den I-Books mal wieder die Nase vorn zu haben. Es müsste also, um sich nicht auf diese Krake aus Cupertino einzulassen, zunächst ein geeignetes Format für solch ein Projekt gefunden oder und dann eine freie Software zur Nutzung geschaffen werden. Wenn sich wie bei der Textverarbeitung später ein proprietäres System auf dem Markt durchsetzt, müsste eine automatische Konvertierung in beide Richtungen geschaffen werden.

Beim Entwickeln dieses Datenformates wäre schon inhaltlich zu denken: Was muss ein solches interaktives E-Schulbuch alles können? Dort fängt also bereits die Konzeptfrage an, die sich in den Datenformaten widerspiegelt. Aus meiner Sicht gehören hier neben Texten und Bildern auf jeden Fall bewegliche Bilder und interaktive Applet-ähnliche Elemente sowie eine (kollaborative) Kommentierungsfunktion hinzu. Vorhandene Medien und auch Applets u.ä. müssen ohne großen Aufwand in solch ein Projekt integriert werden können. Es ist also an der Zeit, über die Form eines Schulbuch 2.0 nachzudenken und gemeinsame Antworten zu finden.

Mitarbeiter

Es wäre aussichtslos (weil viel zu teuer), ein solches Projekt auf bezahlte Kräfte aufzubauen. Das ist aber wohl auch gar nicht nötig. Nun könnte man auf die Crowd setzen, die im Internet ohne unendlich große Finanzmittel schon Wikipedia und zahlreiche andere Projekte geschaffen hat. Ich denke, man kann aber viel klassischer bleiben. Die Schulbuchverlage rekrutieren ja auch jetzt schon vor allem LehrerInnen, die neben ihrer Arbeit für ein geringes Honorar inhaltliche Ergebnisse ihrer Arbeit zur Verfügung stellen. Leider gehören die Ergebnisse dieser Arbeit dann weder den Autoren, noch der Öffentlichkeit, sondern ausschließlich den Verlagen. Aus meiner Sicht sollte ein ausreichendes Budget für Honorare zur Verfügung stehen, mit dem einzelne Abschnitte des E-Schulbuchs an entsprechend relativ gering, aber immerhin bezahlte Kräfte vergeben würden. Ich glaube, dass das in diesem Projekt hilfreich und sinnvoll wäre, weil man ja ein neues Projekt in relativ kurzer Zeit zielgerichtet auf die Beine stellen möchte. Im zweiten Schritt, wenn bereits eine Basis geschaffen wurde, wäre eine offene Community sehr hilfreich, die Ergebnisse zu verfeinern, weiterzuentwickeln und zu erweitern.

Das Projekt bräuchte also drei Gruppen von MitarbeiterInnen: Erstens eine Handvoll professionelle Manager, die (z.B. jeweils für ein Schulfach oder einen Lernbereich) den Überblick bewahren, mit der Politik (das E-Schulbuch soll ja auch später genehmigt werden) in Kontakt steht, Rückmeldungen „von unten“ einholt, Aufträge vergibt und weitere Geldgeber anwirbt. Zweitens Honorarkräfte, die ein erstes professionelles inhaltliches Fundament in Form von Auftragsarbeiten und ein professionelles Design schaffen und drittens eine möglichst große Gruppe ehrenamtlicher, die in Form von Crowdsourcing das ganze zu einem lebendigen Organismus werden lässt. Die letzte Gruppe kann in moderiertem Rahmen den eigentlichen Text weiterentwickeln oder eigene Forks abzweigen, in denen sie eigenverantwortlich den Inhalt weiterentwickeln und damit auch Material schaffen, das wiederum im eigentlichen Projekt oder anderen Forks genutzt werden kann.

Finanzierung und Steuerung

Ein solches Projekt ist ein ziemlicher Kraftakt. Einfach auf die dynamische Entwicklung in der Internetcommunity zu warten, würde aus meiner Sicht viel zu lange dauern. Wir brauchen jetzt einen großen Schritt nach vorne. Um eine Handvoll Professionelle und eine ausreichende Menge Honorarkräfte zu bezahlen, sind aus meiner Sicht siebenstellige Summen pro Jahr notwendig, sagen wir mal jährlich 1-2 Millionen Euro für ein paar Jahre. Wir brauchen also 5-10 Millionen Euro für den Start und dann einen Kapitalstock, der das ganze nachhaltig unterhält. Angesichts eines Schulbuchumsatzes von etwa 350 Millionen € pro Jahr ist das verschwindend gering. Es sollte also möglich sein, im politischen Raum ein Bündnis fortschrittlicher Bundesländer hinzubekommen, die sich jeweils mit ein oder zwei Millionen über mehrere Jahre gestreut beteiligen und einen Grundstock für so eine Stiftung schaffen. Auch große Stiftungen, wie z.B. die Bertelsmann- oder Telekomstiftung Stiftung halte ich durchaus für anfragenswert und auch private Geldgeber sind möglich. Einen kleinen Teil könnten auch Crowdfunding-Elemente übernehmen. Ich halte also eine Ausstattung mit 10-20 Millionen, die eine intensive Anschubarbeit und eine durch einen Kapitalstock gedeckte dauerhafte Arbeit sichern, für völlig realistisch. Es sind schon viel unsinnigere Dinge mit mehr Geld finanziert worden. Wir müssen nur an die entscheidenden Stellen kommen.

Ist das Kapital erst einmal zusammen oder vertraglich zugesagt, kann eine Stiftung gegründet werden. Diese sollte in ihrem Zweck den öffentlichen Auftrag festgeschrieben bekommen und dadurch gleichzeitig von politischen Vorgaben befreit werden. Ein Stiftungsrat müsste aus einer Mischung aus einer Minderheit politischer Vertreter und der Schulbürokratie und möglichst vieler unabhängiger und innovativer Experten aus dem Medien- und Netzbereich kommen. Besonders die aktiven Teilnehmer eines solchen Projektes müssten durch geeignete Verfahren an den Entscheidungen der Stiftungen beteiligt werden.

Fazit:

Ein Leitmedienwechsel in den Schulen ist nötig und auch innerhalb weniger Jahre möglich. Dazu braucht es ein wenig finanziellen und politischen Mut von öffentlicher Seite, um eine Stiftung für diesen Zweck zu gründen. In Zusammenarbeit mit einer offenen Gemeinschaft interessierter MitarbeiterInnen könnte so ein frei verfügbares und kostenlos einsetzbares elektronisches Schulbuch entstehen, dass einen wichtigen Reformschub in die deutsche Schullandschaft bringen kann.

Der Autor freut sich über Anregungen, Kritik oder andere Rückmeldungen.

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Über stubbesaerbeck

Lehrer, Schulgründer, Politiker, Grüner
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2 Antworten zu Der Weg zum Schulbuch 2.0

  1. Gerd Byhan schreibt:

    Hallo Herr Stubbe,
    ich vermute mal, dass Sie selbst sind Lehrer sind. Daher wundere ich mich, dass Sie so gut wie überhaupt nichts darüber schreiben, wie die Lehrpläne und anderen Vorgaben der 16 verschiedenen Bundesländer bei der Erstellung von genehmigungsfähigen Materialien von Autoren eingehalten werden sollen, die keine Profis auf diesem Gebiet sein können. In der BRD werden jedes Jahr Hunderte von Lehrplänen von den KM veröffentlicht, dazu werden jedes Jahr neue Schuilformen in den einzelnen Ländern eingeführt. Um darauf reagieren zu können, brauchen Sie einen entsprechenden Apparat und nicht nur eine Handvoll professioneller Manager, die auch professionell bezahlt werden müssten. Also billig wird das nicht…
    Übrigens Lehrerinnen und Lehrer, die als Autoren für Schulbücher arbeiten, erhalten ein (Absatz)Honorar für ihre Arbeit und das zu Recht, weil die Arbeit an den Manuskripten viel Zeit kostet.
    Wenn die Forderungen der Lehrpläne erfüllt werden sollen, wenn auf die Entwicklung in der Methodik und Didaktik eines Faches reagiert werden soll, wenn neue Unterrichtsmethoden in die Schule eingeführt werden sollen, dann brauchen Sie schon Fachleute, die sich längerfristig mit der Konzeption eines Unterrichtswerkes beschäftigen- Wenn Sie aber nur ein paar Arbeitsblätter zusammenstellen wollen, dann kann man das sicherlich mit der Crowd schaffen.
    Aber das ist ja wohl nicht das Ziel, das Sie mit dem Schulbuch 2.0 erreichen wollen.
    Übrigrens sollten Sie den Begriff „Schulbuchmafia“ einmal überdenken. In der BRD werden Schulbücher von Verlagen herausgegeben, die nicht im Geheimen arbeiten und denen noch nicht einmal von den größten Kritikern jemals kriminelle Strukturen unterstellt worden sind.
    Sicherlich wird sich in den nächsten Jahren die Nutzung von Büchern allgemein, und auch die Nutzung von Schulbüchern ändern. Kein Mensch kann heute voraussehen, wie sich das digitale Zeitalter entwickeln wird, man sollte es sich aber nicht immer so leicht machen zu glauben, dass allein die Digitalisierung von Lehr- und Unterrichtsmaterialien viele Probleme unseres Schul- und Bildungssystems lösen wird.
    Viele Grüße G. Byhan

    • stubbesaerbeck schreibt:

      Hallo, Herr Byhan!
      Der Begriff Schulbuchmafia ist vielleicht ein bischen hart, aber die Methoden der Lobbygruppen sind ja auch nicht ohne. Einen solchen Angriff, wie er mit dem Schultrojaner geplant war, kann schon nicht nur als unverschämt bezeichnet werden. Es geht um viel Geld, und das Geschäft wollen diese Verlage sich nicht vermiesen lassen.
      Sie scheinen das Geschäftsmodell der Schulbuchverlage ja zu verteidigen. Ich vermute mal eine irgendwie geartete Verbindung. Ich halte eine Erstellung eines Schulbuches aus der Crowd, unterstützt und organisiert durch professionelle Kräfte absolut für möglich. Gerade weil ich als Praktiker (ja: Lehrer) weiß, wie wenig sich die Schulbücher in den verschiedenen Bundesländern und auch nach den diversen Lehrplanänderungen dann in der Praxis unterscheiden. Es bräuchte einen motivierten MitarbeiterInnenstamm (für ein gutes Material) und einen guten Draht in die Schulbürokratie (für einen guten Willen zur Genehmigung). Beides bleibt zu organisieren.
      Wenn man die beeindruckenden Ergebnisse der Open Source Software sieht, ist eine Erstellung eines echten Schulbuchs „von unten“ nicht unrealistisch.

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